Horst Schreiber: Dem Schweigen verpflichtet. Erfahrungen mit SOS-Kinderdorf

Der neue Band von transblick, der sozialwissenschaftlichen Reihe der Michael-Gaismair-Gesellschaft

„Ich hatte das Pech, nicht in einer vorbildlichen Kinderdorf-Familie aufzuwachsen. Es ist mir sehr wichtig, dass meine Erfahrungen öffentlich gemacht werden, damit es anerkannt wird, was passiert ist, denn früher hat das keiner geglaubt und niemand hat sich darum gekümmert.“

Horst Schreiber zeigt die Geschichte des SOS-Kinderdorfs der ersten 50 Jahre seines Bestehens. Erstmals finden jene Stimmen Gehör, die von gewalttätigen und verletzenden Erfahrungen berichten. Das Betreuungskonzept von SOS-Kinderdorf stellte eine familiale Situation nach. Der Dorfleiter repräsentierte die väterliche Ordnung und Sanktionsgewalt, die mütterlicher Fürsorge die heilende Kraft für das verlassene Kind.

Die mangelnde Fachlichkeit und das Konzept der Geschlechterhierarchie schufen Gelegenheitsstrukturen der Gewalt. Auch wenn sich die Fremdunterbringung im SOS-Kinderdorf positiv von der Form des Heimes und der Pflegefamilie unterschied, sind zahlreiche Kinder ein zweites Mal „aus dem Nest gefallen“. Zum Schutz seines guten Rufes war SOS-Kinderdorf bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche lange Zeit um Geheimhaltung bemüht und schaute deshalb nicht ausreichend hin.

Horst Schreiber: Dem Schweigen verpflichtet. Erfahrungen mit SOS-Kinderdorf. Reihe transblick, Band 11, Innsbruck-Wien-Bozen 2014, StudienVerlag, ISBN: 978-3-7065-5424-4

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Abgerufen am: 22.02.2017