Das diesjährige Gaismair-Jahrbuch diskutiert den Abbau der Demokratie, die Schwächung der Idee von sozialer Gerechtigkeit durch die Privatisierungspolitik, die Verwissenschaftlichung der Bildungs- und Wissenspolitik, die sich als alternativlos darstellt, und die neue Rede über Bildung, Leistung und Erfolg, die den Menschen nach einem bestimmten Bild des Ökonomischen umformt.

Ein Schwerpunkt beleuchtet den Begriff der Heimat aus mehreren Perspektiven, fordert auf, ihn neu zu denken und ihn nicht der Identitätspolitik der Rechten zu überlassen. Ein Beitrag problematisiert Heimat unter dem Vorzeichen von Armut, ein anderer die Kriegerdenkmäler, ein weiterer thematisiert den Kampf gesellschaftlicher Autoritäten gegen eine rebellische Jugendkultur und das Aufbrechen überkommener moralischer Standards.

Ein Schwerpunkt beschäftigt sich mit dem Umgang mit Armut in wohlhabenden Gesellschaften, mit Migrationsbewegungen aus mittel- und osteuropäischen Ländern sowie mit den Lebensbedingungen von bettelnden und notreisenden Menschen.

Der Schwerpunkt 1918 / 1938 gibt einen vielseitigen Einblick in das letzte Kriegsjahr der Habsburgermonarchie und die Hungeraufstände in Innsbruck nach Kriegsende. Drei Beiträge setzen sich mit der Frage nach dem Verhalten von Menschen in der NS-Zeit auseinander. Ein Nachruf auf Rosi Hirschegger ehrt eine kämpferische Frau mit aufrechtem Gang. Den Abschluss bildet ein Literaturteil, zusammengestellt von Christoph W. Bauer.

Inhalt und Einleitungen: LESEPROBE

DIE PERSPEKTIVE EINER GLOBALISIERTEN DEMOKRATIE? ENTTÄUSCHTE HOFFNUNGEN

Die Aushöhlung der Demokratie durch die europäische Wissens- und Bildungspolitik · Über Bildungsdiskurse und Politik · Der Primat der Produktivkräfte und die Demokratie · Konsens in der Politik tendiert zur Abschaffung von Politik

 HEIMAT

Mit welchem Recht okkupieren die Rechten den Begriff „Heimat“ ausschließlich für sich? · Die Heimat · „Der Vater wie die gantze Familie ist Arbeitsscheu“ – eine Optionsgeschichte · Kriegerdenkmäler in Tirol ·Jugend-Kultur in den 1950er- und 1960er-Jahren

ARMUT – SOZIALE AUSGRENZUNG – MIGRATION

Vom Sehen und Übersehen absoluter Armut in wohlhabenden Gesellschaften · Armutsmigration nach Tirol am Beispiel der Südslowakei · Lebensbedingungen bettelnder und notreisender Menschen in Tirol · Antiziganismus in der Migrationsgesellschaft

1918 / 1938

Alphabet des Zusammenbruchs · Die Plünderungen in Innsbruck im Dezember 1919 · Anpassungsstrategien öffentlicher Bediensteter am Beispiel der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Hall in Tirol nach dem „Anschluss“ 1938 · Vom kleinen Nutzen der NS-Zeit für ein unbedeutendes Rädchen in der Gestapo · Hugo Schindler als Opfer des Innsbrucker Novemberpogroms · Rosi Hirschegger – Glühende Sozialdemokratin und Antifaschistin

 LITERATUR

Christoph W. Bauer · Andreas Altmann · Elfriede Czurda  · Erwin Einzinger  · Sandra Hubinger · Klaus Merz  · Kathrin Schmidt  · Armin Senser

Horst Schreiber/Elisabeth Hussl/Martin Haselwanter (Hg.): Gaismair-Jahrbuch 2018. Im Zwiespalt, Innsbruck-Wien-Bozen 2018, StudienVerlag.

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Abgerufen am: 25.11.2017